20. Januar 2019 zerowasteyourlife

Tipps für den Anfang als Zero Waster*in

Wie du dein Warum findest und danach handelst

Deine Umweltschutzbestrebungen sind mehr als eine kurzfristige Challenge oder ein frommer Vorsatz, wenn du dein Warum kennst. Was ist deine Motivation für ein nachhaltiges Leben? Möchtest du die Umwelt schützen? Tierleben retten? Weniger Mikroplastik erzeugen und konsumieren? Deinen Kindern eine schöne Zukunft ermöglichen? Etwas Neues ausprobieren? …? Wenn wir unser Warum kennen, bleiben wir leichter dran. Dann haben wir etwas, das uns antreibt.

Frage dich jetzt nach deiner Motivation. Schreib sie dir auf. Trage sie im Herzen.

Dein Warum ist die Grundlage für deinen Start und deinen Erfolg mit dem Zero Waste-Lifestyle. Darauf aufbauend helfen mir außerdem drei weitere Grundsätze, Zero Waste im Alltag zu praktizieren:

Kleine Schritte zum Erfolg

Je häufiger und regelmäßiger wir etwas in kleinen Schritten tun, desto schneller erleben wir Erfolge. Ein praktisches Beispiel: Wenn ich täglich 10 Minuten Klavier spielen übe, habe ich wahrscheinlich bessere Erfolge als mit einer zweistündigen Session alle zwei Wochen. Übertragen auf unsere Mission, Abfall zu vermeiden und nachhaltig zu leben bedeutet das: Fang mit kleinen Veränderungen im Alltag an. Du musst nicht gleich in einer Hauruck-Aktion dein ganzes Leben auf den Kopf stellen. Erlaube dir die Zeit, die die Umstellung benötigt. Sei geduldig und liebevoll zu dir und deinem Umfeld. Setze dir Zwischenziele.

Einige Ideen:

  • Trage für den Einkauf immer einen Jutebeutel bei dir.
  • Sag „Nein“ zu Plastikstrohhalmen.
  • Geh wenn möglich zu Fuß, nimm das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel anstatt des Autos.
  • Kaufe einmal pro Woche Obst und Gemüse unverpackt auf dem Markt ein.

Auch hier ist die Liste der Möglichkeiten endlos. Auch hier lautet mein Credo: Fang einfach an. Der Rest kommt von allein.

Die 80/20-Regel

Ich habe Respekt vor Menschen, die sich etwas in den Kopf setzen und ihren Plan von heute auf morgen zu hundert Prozent umsetzen. Eine Freundin von mir lebte vom einen auf den anderen Tag vegan und hat seitdem nie wieder tierische Produkte angerührt. Bea Johnson ist berühmt dafür, dass der Müll ihrer Familie mit Vater, Mutter und zwei Teenagern in ein Einmachglas passt.

Für mich funktioniert das nicht. Ich kenne mein Warum. Ich bin willensstark. Dennoch bin ich ein großer Fan der 80/20-Regel, auch bekannt als Pareto-Prinzip. Das Pareto-Prinzip besagt, dass 80 Prozent der Ergebnisse mit 20 Prozent des Gesamtaufwandes erreicht werden können. Um die übrigen 20 Prozent bis zur Hundert zu erreichen, sind die übrigen 80 Prozent des Gesamtaufwandes, also quantitativ die meiste Arbeit, notwendig.

Für mich sieht das konkret so aus: Ich tue wann immer ich kann und so oft wie möglich mein bestes, Abfall zu vermeiden und nachhaltig zu konsumieren. Gelegentlich mache ich Ausnahmen; weil es mein Leben einfacher macht, weil ich meinem Bauchgefühl folge oder weil ich jemandem gegenüber höflich sein möchte.

Stichwort Veganismus: Ich kaufe ausschließlich vegane Lebensmittel ein. Für Veranstaltungen melde ich mich als Veganerin an, um ein Zeichen zu setzen. Ich bitte meine Freunde und Verwandten, mir keine tierischen Produkte zu servieren oder bringe ein veganes Gericht zum Teilen mit. Manchmal mache ich Ausnahmen. Zum Beispiel, wenn mein Opa für die Familienfeier den besten Käsekuchen der Welt backt oder wenn am Ende eines Events noch dutzende belegte Brötchen übrig sind, die sonst im Abfall landen würden. Wenn ich zu Gast in einem fremden Land bin und mir eine lokale Spezialität angeboten wird, die ich interessant finde und die extra für mich zubereitet wurde. Bei diesen Ausnahmen verdeutliche ich mir, dass sie eben das sind: Ausnahmen. Ich treffe eine bewusste Entscheidung, anstatt wahllos zu konsumieren. Ich frage mich vorher: Ist das nötig? Wo liegt meine Priorität? Wird mich dieses Lebensmittel glücklich machen? Entscheide ich mich für die Ausnahme, genieße ich die Speise bewusst und achtsam.

Ähnliches gilt für Verpackungen, regionale und saisonale Lebensmittel: An den meisten Tagen kaufe ich verpackungsfrei und beim Bauernmarkt um die Ecke ein. Fast immer bevorzuge ich frische, selbstgekochte Speisen gegenüber Fast Food. An manchen Abenden genieße ich es, mir beim Sudanesen unterwegs eine Falafeltasche zu kaufen, die in Alufolie verpackt ist, wenn ich auf dem Heimweg keine passende Brotdose in der Tasche trage. Auch, wenn ich gelegentlich über Foodsharing verpackte gerettete Lebensmittel bekomme, die ich an sich mag und sonst nicht kaufen würde, rette und verzehre ich sie lieber, anstatt sie verkommen zu lassen.

Die Mischung macht’s

Meine Devise lautet: Die Mischung macht’s. Unser nachhaltiges Leben soll Spaß machen. Wir alle haben unterschiedliche Ausgangsvoraussetzungen, Ressourcen und Kapazitäten. Who are we to judge anyone? Ich tue mein Bestes und bin dabei dennoch nicht zu hart zu mir. Es ist besser, an einem Tag wenigstens etwas Gutes getan zu haben, anstatt gar nichts. Ich feiere die kleinen und großen Nachhaltigkeitserfolge meiner Mitmenschen. It’s always Work in Progress.