24. April 0219 zerowasteyourlife

Zero Waste – Was mich antreibt

Freiheit, Freude und Nachhaltigkeit durch ein einfaches Leben

Häufig werde ich  nach meiner Motivation für das Zero Waste-Thema gefragt. Es ist eine Mischung aus Egoismus und Altruismus. Was mich antreibt, sind meine Grundwerte: Freiheit. Freude. Nachhaltigkeit. Sie sind das, was ich mir für mein Leben, das meiner Mitmenschen und meiner zukünftigen Kinder wünsche.

Freiheit

Durch den Zero Waste-Lifestyle lebe ich achtsamer und minimalistisch. Ich frage mich häufiger: “Brauche ich das wirklich?” Auf diese Weise spare ich Geld für unnötige Anschaffungen, dass ich in langlebige Güter investieren kann oder in Zeit. Wer weniger ausgibt, muss weniger Geld für den Lebensunterhalt aufbringen. Wer weniger konsumiert, hat mehr Zeit für das, was Freude bringt.

Freude

Weil ich weniger arbeiten und einkaufen muss, habe ich Zeit für das, was mir noch mehr Freude bereitet: Quality Time mit meinen Lieben, neue Rezepte ausprobieren, Sport treiben, lesen, you name it. Zu wissen, dass mir dieses Handeln gut tut und ich gleichzeitig auch global und für zukünftige Generationen etwas bewirken kann, macht mich glücklich.

Nachhaltigkeit

Nachhaltig zu leben bedeutet mehr, als Bio-Lebensmittel einzukaufen. Es bedeutet, das große Ganze im Blick zu haben: Woher kommen meine Lebensmittel? Wurden die Menschen, die sie angebaut haben, fair entlohnt? Was ist die Geschichte hinter den Dingen, die mich umgeben? Welche Lebensgeschichten sind damit verbunden? Wie beeinflussen sie mein Leben? Welche Auswirkungen hat mein Handeln auf andere Menschen global und lokal, auf zukünftige Generationen und auf mein Leben aktuell?

Fang einfach an

Das sind Fragen über Fragen. Da stellt sich manch jemand eine weitere Frage: Wo sollen wir anfangen? Ganz einfach: wo immer du willst. Das wundervolle am nachhaltigen Leben ist: Es gibt unzählige Ansatzpunkte.

Du könntest

  • Biologische, regionale und saisonale Produkte bevorzugen gegenüber Lebensmitteln, die um den Global transportiert werden mussten.
  • Weniger tierische Produkte zu dir nehmen. Du musst nicht gleich 100% vegetarisch oder vegan werden. Auch, den Konsum zu reduzieren, hilft bereits.
  • Primär Second Hand-Artikel kaufen anstatt Neuware.
  • Weniger einkaufen.
  • Das „übrige“ Geld kannst du dann, wenn du möchtest, in fair produzierte, biologische Produkte investieren.
  • Hygiene- und Kosmetikartikel selbst aus natürlichen Zutaten herstellen
  • An einem Clean Up in deiner Stadt teilnehmen oder selbst eine Müllsammelaktion organisieren.
  • Mit Freund*innen über das Thema sprechen

Die Liste ist endlos. Was ist damit sagen möchte ist: Es kommt im ersten Schritt nicht darauf an, wie viel du tust oder wie perfekt du handelst. Wichtig ist, dass du anfängst. Jeder Schritt – sei er auch noch so vermeintlich klein – zählt.

Hör auf, dich zu vergleichen

Facebook-Gruppen und Instagram-Profile sind eine tolle Quelle für Inspiration und Wissen rund um das Thema Nachhaltigkeit und Zero Waste. Wenn ich mich dort durchscrolle, fällt mir häufig folgende Situation auf:

Person A: postet ein Foto von ihrem plastikarmen Einkauf. Sie hat Obst und Gemüse ohne Verpackung gekauft, Joghurt im Glas und war sogar für Nudeln und Mehl im Unverpackt-Laden.

Person B: Super, weiter so!

Person C: Ich hoffe, dir sind die negativen Auswirkungen der Bananenproduktion bewusst. Wenn du schon zero waste sein willst, kauf gefälligst nur beim Biobauern um die Ecke ein.

Person D: Mörder! Weil du Joghurt kaufst, müssen arme Kälber leiden. Wenn schon zero waste, dann auch vegan.

Person E: Also ich könnte mir den Einkauf im Bioladen und im Unverpackt-Laden gar nicht leisten – ich bin arme Studentin.

Person A: Versucht, sich zu rechtfertigen.

Findest du den Fehler? Wir haben alle das gleiche Ziel: Möglichst nachhaltig leben. Wie und warum wir damit anfangen ist darum zunächst zweitrangig. Wir alle haben unterschiedliche Ausgangssituationen und Ressourcen. Wer bin ich, mir ein Urteil zu erlauben? Ich wiederhole: Jeder Schritt zählt. Lasst uns einander unterstützen und voneinander lernen, anstatt ein Wettrennen um die schönsten Fotos auf Instagram und perfektesten Zero Waste Einkäufe auszutragen.

Hab das große Ganze im Blick

Eben hast du gelesen: Jeder Schritt zählt. Dabei bleibe ich. Diese Aussage möchte ich ergänzen: Jeder Schritt, den wir als Individuen tun, ist wertvoll. Unser übergeordnetes, gemeinsames Ziel sollte sein, gesellschaftlichen Wandel herbeizuführen. Lasst uns demonstrieren für Plastikverbote und Emissionsgrenzen. Lasst uns die Politik in die Verantwortung nehmen. Ich befürworte freiheitliche Werte. Trotzdem wünsche ich mir Verbote und Gesetze. Wie passt das zusammen? 1972 hat der Club of Rome die Grenzen des Wachstums bestimmt. Bis heute leben wir weit über diese Grenzen hinaus und schaden damit unserem Planeten. Mehr als 40 Jahre lang haben sanfte Hinweise nur wenig bewirkt. Dann muss es jetzt wohl anders gehen. In den vergangenen Jahren hat sich die Politik in Deutschland, Europa und weltweit mehr als zuvor mit den Plastik- und Klimaproblemen beschäftigt. Einer der Gründe dafür sind meiner Meinung nach auch die deutlichen Zeichen aus der Gesellschaft. Die Politik handelt, wenn genug Menschen aus der Bevölkerung sie dazu bewegen.

Das Ziel ist gesellschaftlicher Wandel

Mein Bekannter Ravi aus Indien hat mir neulich eine schöne Metapher vorgestellt: Wenn dein Haus unter Wasser steht, weil dein Wasserhahn läuft, was tust du dann? Wahrscheinlich schließt du zuerst den Hahn und trocknest dann den Boden. Was wir durch Abfallvermeidung tun, ist Handtücher auf den Boden zu werfen, während der Hahn weiter läuft. Wir müssen die Wurzeln des Problems bearbeiten: Unsere Konsumkultur und Unwissenheit. Abfallvermeidung ist ein guter Startpunkt. Gesellschaftlicher Wandel ist das Ziel.

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